August 13 2013

Apocalypse World – Waver eine Savyhead

Überleben? Überleben! Das ging Wafer gerade durch den Kopf als sich sein drahtiger Körper unter dem Van in der Garage seines Freundes schob. Er war nicht der Speziallist im reparieren von Autos, das war sein Freund Nox, aber er konnte sich im Moment nur die Garagenmiete und die Ersatzteile leisten. Zehn Stunden Strom sollte ihn das alles kosten, da musste er sich wohl oder übel selbst unter seine geliebte Möhre legen. Diese verdammte grüne Hölle würde Ihm wahrscheinlich irgendwann mal mehr kosten als nur ein paar runderneuerte Achsmanschetten. Die Vollgummireifen hatten sich zumindest schon mal bezahlt gemacht, bei hundert hatte er aufgehört die stahlharten Dornen zu zählen die er mit der Zange entfernen musste. Die alten Pneus waren nur noch als Leutersieb für die Bierbrauer interessant gewesen. Ein verschmitztes Lächeln huschte über sein gleichmäßiges Gesicht.

Das Möhrchen stand nun sicher und Funktionsbereit im großen Hangar, bei all den anderen Fahrzeugen. Wafer hoffte nur das er Raccoon –Mountain, oder „New Eden“ wie er es liebevoll nannte,  nicht so schnell wieder verlassen müsste. Diese Ausflüge gingen ganz schön in den Strom.

Er kam zu seiner Wohnhöhle, die mittlerweile einige Annehmlichkeiten zu bieten hatte. Das war das Privileg eines Spezialisten hier in Eden wenn man zudem schon seit zwanzig Jahren hier lebte. John hatte hier schon ganz schön was aufgebaut, als Wafer mit 14 Jahren ohne Eltern hier aufkreuzte. Zuerst hatte er sich um den Müll und das Ungeziefer kümmern dürfen, aber solange man der Gemeinschaft diente und keinen Stress machte hatte man unter John ein sicheres Zuhause. Er hatte viele gehen sehen. Einige freiwillig, viele Unfreiwillig die sich nicht anpassen konnten oder wollten. Dann war er an Leo geraten.  Als Wafer aus dem Müll das ein oder andere zum reparieren herausgefischt hatte, meinte Leo nur:“ Dich kann ich gebrauchen, Junge!“ und hatte ihm dann den ein oder anderen Kniff beigebracht. Irgendwann durfte er sich um die technische Wartung und Instandhaltung von Eden kümmern und das Vertrauen von John ging sogar soweit, dass er in die Geheimnisse der Stromzuteilung eingeweiht wurde. Wenn die Hauptkonsole lief war er in der Lage jeden mit Strom zu versorgen so wie er wollte.

Wafer betrat sein Zimmer und klemmt das Überbrückungskabel an die Autobatterie. Eine LED-Lichtzeile oberhalb seines Arbeitstisches in der südlichen Ecke des 20qm großen Raumes erwachte zum Leben und tauchte den Raum in ein dämmeriges, kaltes, weißes Licht. Die Ladung der Batterie schien bald erschöpft zu sein und dann wäre die genauso Platt wie die anderen Beiden. Tja, die Reserven waren wohl  erschöpft und er war gezwungen wieder Strom zu kaufen. Morgen vielleicht!?

Er warf seine schwarze Weste über den Drehstuhl vor seinem Arbeitstisch. Das viele klimpern und klappern, das aus seiner Weste tönte, war das Resultat jahrelangen Sammelns von diversen Nützlichkeiten und kleinen Helferlein. Sein wichtigstes Helferlein, den „LEDERMANN“, trug er aber immer an seinem Gürtel. Den nahm er nie ab, im Gegensatz zur Canteen-Trinkflasche die jetzt auf dem niedrigen Holztisch landete, der vor einem stark zerschlissenen Sofa stand. Die Seitentaschen seiner schwarzen Cargohose leerte er auch auf den selbigen. Mit seinen Springerstiefeln an den Füßen haute sich Wafer auf eine Matratze, die durch zwei kleine Holzschränke vom Rest des Raumes so gut es ging abgetrennt war. „Und das waren jetzt die Privilegien des Singlelebends“: dachte er grinsend.

Nach seinem Nickerchen, der Akku war mittlerweile leer, gewöhnten sich seine Augen langsam an das Zwielicht in dem Raum. Zu lüftungszwecken fehlten alle Höhlentüren mehrere Zentimeter oben und unten. Dadurch drang ein schwacher schimmer aus dem Gang in sein Zimmer. Verdammt, er brauchte Strom! Aber zuerst einmal brauchte er einen Drink. Und wo konnte man das angenehmer machen als im „Waschbär“. So hatte der Marquis das Etablissement genannt, welches er aus den Überbleibseln der Küche und dem Refektorium des ehemaligen Wasserwerkes geformt hatte. Was man alles mit Fantasie, Erfindungsreichtum und viel Überredungskunst erreichen kann hatte der Marquis eindrucksvoll bewiesen und somit einen Rückzugsort geschaffen an dem man auf vorzügliche Art und Weise seine Stromgutscheine loswerden konnte. Zum Glück ging in einer technisch so aufwendigen Anlage auch häufiger Mal was Kaputt. Als er den „Waschbär“ betrat war alles wie immer! Erstens; Leo saß auf seinem Stammplatz an der Theke und sprach dem Selbstgebrannten zu und zweitens; ein Schild verhieß das es Dienstag sei und am Abend der Film „Vom Winde Verweht“ gezeigt wird. Es versprach ein vergnüglicher Abend zu werden. „Wenn jetzt noch Amy auftaucht ist der Abend perfekt!“  dachte Wafer so bei sich und mit einem kurzen Kopfnicken zu Leo setzte er sich auf den Stuhl neben ihm.

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VeröffentlichtAugust 13, 2013 von Heimi in Kategorie "Intime

Über den Autor

Heimi beschäftigt sich seid etwas über 20 Jahren mit Rollenspielen. Sowohl als Spieler als auch als Spielleiter. Angefangen hat er damals ganz klassisch mit DSA, aber inzwischen hat er Ausflüge in zahllose weitere Systeme gemacht. und die Regale mit Regelwerken in seinem Arbeitszimmer platzen aus allen Nähten. Zu seinem Bedauern hat er zwar schon vielen aber immer noch nicht alles davon ausprobieren können.

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